149. Folge

Marie

Marie

Schnaubend vor Wut, mit gefährlich blitzendem Schaum vorm Mund, rannte die von den Eltern schwer beleidigte Bohnenstange sofort zu Otto Trübestein, direkt in sein Studierzimmer. Ohne anzuklopfen stürzte sie herein. Da bietet man diesen Holzköpfen sogar das DU an, aber die sind zu blöde, solche Geschenke anzunehmen. Schließlich habe SIE den Doktortitel und DIE alle nicht. Und dann fragt dieser Kerl auch noch, was sie denn vorhabe mit der Schule … „Unverschämtheit!“, entrüstete sie sich gegenüber dem „Blitzdirektor“, „denen werde ich zeigen wo der Hammer hängt!“ Otto Trübestein, der inzwischen in ziemlich beengten Verhältnissen lebte, weil seine ganzen Wände mit Abertausenden von Racheplänen beklebt waren, sah die Zeit gekommen, dieser „Bestie von Marie“ endlich den Garaus zu machen. „Wenn Sie, verehrte Frau Dr. Grimmig“, frohlockte er, „diese Zwergen-Sippschaft genauso ausrotten wollen wie ich, sollten wir gemeinsame Sache machen.“ Gundula Grimmig nickte ernst und erinnerte sich an den Racheplan, der dem Trübestein vor noch nicht allzulanger Zeit den Kopf gekostet hatte: Pelle, der Mörderhund!

Schnell waren sich die beiden einig, dass man sich aus einem benachbarten Hundezwinger einen ziemlich bissigen Straßenköter besorgen wollte. Den musste man dann nur einige Wochen bei schmaler Kost auf der Zwergenalm halten, und wenn er danach vor lauter Hunger so richtig scharf wäre, würde man ihn auf Marie ansetzen. „Und diesen widerlichen Willy und seine doofe Heulsuse und diese blöde sprechende Puppe am besten gleich dazu“, überschlug sich die Stimme der neuen Direktorin, „dann ist gleich die ganze Sippschaft weg!“ Otto Trübestein glaubte sich im Märchen, endlich war da jemand, der seine Rachepläne teilte, ach was, nicht nur teilte, sie sogar noch übertraf. „So machen wir’s“, nickte er anerkennend, „ein Haps von Pelle, und die sind ratzfatz weg.“ Gundula Grimmig lachte so schrill sie nur konnte und klopfte dem „Blitzdirektor“ auf die Schulter: „Und wenn erst der Huber um die Ecke gebracht ist, wirst DU sofort wieder eingestellt!“ Studienrat Trübestein sah die Direktorin ungläubig an, denn den Bürgermeister hatte er eigentlich nicht auf seinem Plan. Dr. Gundula Grimmig aber lachte ihn aus und hauchte schnurrend in sein Ohr: „Otto, du kannst jetzt Gundi zu mir sagen.“