148. Folge

Papa Willy

Papa Willy

Fräulein Grimmig war eigentlich keine Rampensau. Im Grunde hatte sie Angst, vor vielen Menschen zu stehen, geschweige denn zu reden oder etwas vortragen zu müssen. Lieber verkroch sie sich auf ihrer Alm mit ihren Zwergensklaven, die sie dort nach Herzenslust drangsalieren konnte oder plagte ihre Stiere, indem sie ihnen heimlich Unmengen von Östrogenen als Kraftfutter verabreichte und so zu „Schizo-Kuh-Stieren“ machte. Tja, und trotzdem war sie dank ihrer Doktorarbeit zur Direktorin der Hauptschule aufgestiegen und nur Bürgermeister Huber stand noch über ihr. Der Gedanke, den einfältigen Dickwanst auch noch zu beseitigen und dann über ganz Zwergenhausen zu herrschen, gefiel ihr so sehr, dass sie alle Scheu ablegte und mit wippenden Schritten von hinten auf die Bühne tänzelte. „Einen riesengroßen Applaus für Dr. Gundula Grimmig!“, brüllte Bürgermeister Huber ins Mikrophon. Der Applaus hielt sich jedoch in Grenzen, um nicht zu sagen, es gab gar keinen, aber Die Dicken Backen spielten nun einen solch gewaltigen Tusch, dass man das fehlende Klatschen glücklicherweise überhörte. Dann trat SIE ans Mikrophon.

„Ihr könnt Gundi zu mir sagen“, hauchte sie wie einst eine gewisse Marilyn Monroe. Augenblicklich verstummte das Blasorchester, es wurde totenstill im Saal. Fräulein Grimmig stand in einem hautengen rosafarbenen Samtanzug auf der Bühne, in dem sie einem Griffel im Faschingskostüm allerdings mehr ähnelte als einer Schnurrekatze. In ihre Pusselhaare hatte sie sich ein funkelndes Krönchen gesetzt, ihre Schuhe glitzerten um die Wette und zu allem Überfluss wiegte sie auch noch ihre klapprigen Hüften im Scheinwerferlicht. „Ihr könnt Gundi zu mir sagen“, wiederholte sie ihre Aufforderung und versuchte noch einmal richtig verführerisch zu hauchen. Die Eltern schienen von dem Angebot aber nicht sonderlich begeistert zu sein, zumindest gab es niemanden, der sie sofort mit ihrem Kosenamen anredete. „Auch eure Kinder können ab jetzt Gundi zu mir sagen“, bekräftigte der kostümierte Griffel nun schon fast drohend, „ALLE können mich duzen!“ Noch immer schien das niemanden so recht zu beeindrucken, bis Papa Willy fragte, was sie als neue Direktorin mit der Schule denn so vorhabe, es gäbe ja viel zu tun. Darauf wusste sie keine rechte Antwort, aber am wichtigsten sei, dass „alle lieb zueinander sind“. Dabei schaute sie furchtbar intelligent und versuchte ein letztes Mal zu schnurren wie eine Katze. Als das aber noch immer niemanden vom Hocker riss, erlöste sie die armen Eltern von ihrer komischen Darbietung, indem sie urplötzlich aufhörte zu schnurren und wutentbrannt von der Bühne stürmte. Hinter ihr flog die Tür der Aula mit einem lauten Knall zu.