362. Folge

Kackewiedora

Kackewiedora

Iwan traute seinen Augen kaum: in dem kargen Zimmer, aus dem Gundula Grimmig mit gierigen Augen ihren alten Haussklaven anglotzte, hing an einem Galgen der festlich geschmückte Lodenmantel mit der Aufschrift: Maskottchen der Unterwelt! Darunter lagen schnarchend Otto Trübestein und der Stramme Max mit kugelrunden Bäuchen, fehlte nur noch, dass aus ihren Gierschlünden haufenweise abgenagte Knochen herausragten … Damit nicht genug, denn just in diesem Augenblick wurde die Tür zum Nebenzimmer aufgerissen und herein stürmte die schier aufgelöste Magd im Brautkleid, verfolgt von Hexor mit seinem stramm ausgestreckten rechten Arm. „Ich besorge es dir gleich wieder“, keuchte er mit atemloser Stimme, „so wahr mir der Teufel helfe.“ Die Magd aber kreischte nur unaufhörlich nach ihrem Schnuckiputzilein und drohte Hexor damit, die Hochzeitsnacht ohne ihn zu verbringen. Iwan kam sich vor wie im Irrenhaus. Er überlegte, ob er Hexor zu seinem Eheglück verhelfen sollte, indem er ihm die Geschenkkiste mit dem Hündchen darin einfach an den ausgestreckten Arm hängen würde – oder ob er das irre Schauspiel auf die Spitze treiben könnte. Hausmeister Zufall lag jedenfalls bibbernd zu Füßen seiner einstigen Dienstherrin, die bereits eine Blutwurst an der Angel befestigt hatte und mit ihrem falschen Lachen den Raum erzittern ließ – ganz so wie damals auf der Zwergenalm.

Iwan überlegte wohl eine Spur zu lang. Gerade als er sich entschlossen hatte, das grandiose Schauspiel noch ein bisschen aus nächster Nähe zu genießen, fing das Hündchen in der Geschenkkiste an zu wuffen. Augenblicklich erstarrte jede Bewegung. Alle waren wie elektrisiert und starrten sprachlos in die Richtung, aus der das Wuffen gekommen war. „Schnuckiputzilein“, hörte Iwan plötzlich die näselnde Stimme von Kackewiedora direkt hinter sich, „da ist ja unser Hundedieb.“ Oh Oh, das sah nicht gut aus für Iwan. Und so kam es, wie es kommen musste: Hexor lief vor Zorn feuerrot an und verwandelte sich in Nullkommanix in schwarzen Kanalisationsschleim. Nur sein Köpfchen mit der Rotzbremse war noch zu sehen, und trotz seines Widerwillens gegen den „Penner“ stürzte er sich mit weit aufgerissenem Maul auf Iwan Tschaikowski. „Endlich“, schrie Gundula Grimmig wie von Sinnen und schlug wild mit ihrer Peitsche auf den armen Zufall ein, „endlich ist der Penner geliefert!“ Durch Hexor’s Angriff flog das Hündchen aus der Geschenkkiste direkt in die Arme der Magd, die vor Glück fast in Ohnmacht fiel, als sich ihr geliebtes Schoßhündchen unter ihrem Brautkleid versteckte. Geistesgegenwärtig nahm Iwan indessen einen letzten großen Schluck Zar Putin aus der Pulle und spritzte dem zuschnappenden Hexor den Hochprozentigen direkt ins offene Maul. Obwohl der Unterweltfürst manchmal durchaus das eine oder andere Likörchen schlürfte, brannte ihm der Wodka derart in der Kehle, dass er mit schmerzverzerrtem Gesicht erst einmal abdrehte. Doch schon leckte sich Kackewiedora die Lippen und begann sich in rosaroten Kanalisationsschleim zu verwandeln …