361. Folge

Monika

Monika

Im KaDeSü gingen die ersten Lichter aus. Draußen schneite es, ein ganzer Pulk motorradfahrender Weihnachtsmänner fuhr fröhlich hupend an dem großen Kaufhaus vorbei. Weihnachten konnte kommen, so viel stand fest. Noch nie hatte der kleine Turbanese Schnee gesehen, geschweige denn motorradfahrende Weihnachtsmänner und Engel im Neon-Schein. „Also dann bis morgen in unserem Palast“, scherzte Papa Willy zum Abschied und schaute Aladin grinsend an, „und lasst euch nicht erwischen, sonst bleibt es leer unterm Tannenbaum.“ Mama Berta hatte hingegen ihre Sorgenfalten aufgesetzt und war fast dabei, seit ewig langer Zeit mal wieder in Tränen auszubrechen. „Muss das denn sein?“, fragte sie ängstlich und versuchte Marie und Monika umzustimmen, „euer Nachtwächter ist doch bestimmt schon viel zu alt und arbeitet gar nicht mehr hier.“ Marie und Monika aber strahlten über beide Backen und schüttelten ihre Köpfe. „Doch doch, er hat es uns versprochen“, antworteten sie im Chor, „und was uns unser Nachtwächter versprochen hat, das hält er auch.“ Dann schickten sie Mama Berta und Papa Willy mit ihren Bergen von Tüten zum Ausgang und winkten ihnen nach. Jetzt hieß es, schnell nach oben in die Spielzeugabteilung zu kommen und sich in die hintersten Regale zu verdrücken.

Marie, Monika und Problembär Eddi wussten ja schon, wie es sich nachts im Kaufhaus anfühlt. Für Aladin aber war auch das neu. Ohne sich zu rühren stand er mit seiner Öllampe und seinem riesigen Turban wie eine seltsame Wachsfigur im Regal, so lange jedenfalls, bis die letzten Angestellten das Kaufhaus verlassen hatten. Danach ging das Licht aus, und es wurde dunkel und still. Doch nach einer Weile hörte man ein Stimmengewirr, als würden sich Tausende von außerirdischen Wesen aufgeregt über die vier Einbrecher unterhalten. Monika und ihr Problembär verstanden natürlich jedes Wort, denn als sie selbst noch hier oben in der Spielzeugabteilung gelebt hatten, klangen sie genau so wie jetzt ihre ehemaligen Brüder und Schwestern. „Hat sich immer noch nichts verbessert“, flüsterte Monika leise, „sie erzählen sich noch immer dieselben schrecklichen Geschichten.“ Marie nickte und grinste zurück: „Wird Zeit, dass es bald eine Spielzeuggewerkschaft gibt, dann können die hier was erleben.“ Marie und Monika kicherten leise und gingen nach vorne zu Aladin, um ihm Gesellschaft zu leisten. Der kleine Turbanese wagte es kaum zu atmen, so ernst hatte er Marie’s Warnung „Wer sich rührt, wird abgeführt!“ genommen. Nun aber fiel alle Anspannung von ihm ab und er erzählte von den Nächten im Palast des Kalifen von Bagdad. Das war so aufregend, dass sie darüber fast vergaßen, weswegen sie hergekommen waren. Erst als die Turmuhr zwölfmal zur Mitternacht schlug, schreckten sie auf und warteten gespannt auf den Nachtwächter.